Das Forschungsinteresse zum Konstrukt der „Metakognition“ hat seinen Ursprung in der Entwicklungspsychologie der frühen siebziger Jahre. Als Initiator der Metakognitionsforschung führt Flavell (1971) den Begriff „Metagedächtnis“ in die Literatur ein. Im Fokus seiner Forschungsarbeit steht die Annahme so genannter „Meta-Vorgängen“ beim Erwerb von Wissen während der frühkindlichen geistigen Entwicklung. Des Weiteren umfasst seine Arbeit die Konzeption eines Gedächtnismodells und dessen Bedeutung für die kognitive Entwicklung und Leistungsfähigkeit von Kindern (vgl. Weinert & Kluve, 1984; Bannert, 2007). Als Teilkomponente seines Gedächtnismodells bezieht er das Metagedächtnis auf „…das Wissen und Kennen von allem, was mit Gedächtnis zu tun hat“ (Flavell, 1979, S. 265) und erklärt es als eine „subspecies“ von Metakognition (Flavell, 1976, S. 232). Das Konstrukt der Metakognition versteht Flavell (1976) als eine Kognition höherer Ordnung. „Der Begriff Metakognition bezieht sich auf die eigenen kognitiven Prozesse und (Lern-) Produkte, die damit in Verbindung stehen“ (Flavell, 1976, S. 232 übersetzt nach Schenk, 2003, S. 20)
Zur Präzisierung ihres Konstruktes unterteilen Flavell & Wellmann (1977) das „Metagedächtnis“ in zwei Kategorien – metakognitives Wissen und Sensitivität. Metakognitives Wissen beinhaltet (1) Wissen über die eigene Person bzw. die Einschätzung der eigenen kognitiven Leistungen, (2) Wissen über die Beschaffenheit einer Aufgabe und deren Anforderungen und (3) Wissen über verschiedene Strategien und deren Bedeutung für das Lernen. Die Sensitivität hingegen umfasst das Erfahrungswissen einer Person hinsichtlich der Einschätzung der Situationsanforderungen und der Wahl von Strategien (vgl. Flavell & Wellmann, 1977).
An die Arbeit von Flavell und Wellmann (1977) anknüpfend, konnte in einer Vielzahl empirischer Studien der positive Zusammenhang zwischen metakognitivem Wissen und dem adäquaten Einsatz von Strategien bei der Bewältigung von Gedächtnisaufgaben nachgewiesen werden (vgl. Flavell & Wellmann, 1977; Schneider, 1989; Hasselhorn, 1996; Schneider & Pressley, 1997). Allerdings wurde mit der Zeit immer deutlicher, dass metakognitives Wissen für erfolgreiches Lernen zwar notwendig – alleine jedoch nicht ausreichend ist. Flavell (1981) bezeichnet den Begriff „Metakognition“ in seinen späteren Arbeiten passender weise als „fuzzy concept“ (Flavell, 1981, S. 37). Bannert (2007) fasst die Problematik in folgenden Worten zusammen: „So reicht die bloße Verfügung verschiedener Lernstrategien für eine aufgaben- und situationsangemessene Informationsverarbeitung nicht aus. Zudem bedarf es einer wirksamen Verarbeitungsregulation, anhand derer ihr Einsatz ausgewählt, kontrolliert und gesteuert wird“ (Bannert, 2007, S. 25).
An dieser Stelle hat das Werk von Ann L. Brown (1978) entscheidend zur Theorieentwicklung im Bereich der Metakognition beigetragen. Während Flavell (1976) und andere sich bislang noch auf die Untersuchung des metakognitiven Wissensaspektes als zentraler Bestandteil der Metakognition beschränkten, konzentrierte Brown ihre Arbeit auf die dynamischen Aspekte des (Meta-) Gedächtnisses – den Kontroll- und Steuerungsprozessen (vgl. Brown, 1978). Ihr Forschungsinteresse bezog sich somit auf „…die exekutiven Regulationsprozesse, welche die systematische Planung, die stetige Überwachung und darauf abgestimmte Steuerung des Lernverlaufs sowie die Evaluation des Lernens umfassen“ (Bannert, 2007, S. 25). Die Annahmen des dynamischen Wechselspiels zwischen den metakognitiven Kontrolle und der Regulation/Steuerung kognitiver Prozesse wurde mit vielen empirischen Studien untermauert und fand in zahlreichen weiterführenden Metakognitionsansätzen Anklang (vgl. Friedrich & Mandl, 1992; Wild & Schiefele, 1994; Borkowski, 1996; Pintrich, 2000).
Nach den Veröffentlichungen und Aufarbeitungen der Ansätze von Flavell & Wellmann (1977) und Brown (1978) kam es schon bald zu ersten Versuchen die Theorien zum „Metagedächtnis“ zu vervollständigen und die deklarative und exekutive Komponente miteinander zu verbinden (vgl. Paris, 1978, Schneider, 1988). Fischer und Mandl (1982) weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Ansatz von Flavell und Wellmann (1977) eher als Kompetenzmodell verstanden werden muss, welcher das Wissen über das eigene Gedächtnis betont, während der Ansatz von Brown im Sinne eines Performanzmodells, eher die Steuerung der eigenen Kognition hervorhebt (vgl. Fischer & Mandl, 1982). Zusammenfassend kann zunächst festgehalten werden, dass Metakognition die Fähigkeit eines Individuums beschreibt, etwas über das eigene kognitive Vorgehen zu wissen, dieses zu überwachen und zu steuern. „Metakognition hat – vorsichtig formuliert – mit dem Wissen und der Kontrolle über das eigene kognitive System zu tun“ (Brown, 1984, S61). Die meisten Autoren stimmen darin überein, dass Metakognition somit etwas Selbstreflexives ist „…und genau das unterscheidet sie von Kognition“ (Schenk, 2003, S. 20).
Um das Konstrukt der Metakognition näher zu bestimmen, sollen im Folgenden die deklarativen und exekutiven Aspekte der Metakognition näher betrachtet werden!